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Tigges trifft Saskia Michalski im Kinderzimmer

Shownotes

Die kompletten Videofolgen gibt es werbefrei schon eine Woche früher bei Podimo. Dort findest du außerdem zu jeder Folge noch eine exklusive Bonusfolge, in der sich die Gäste Sebastians spicy Schnellfragen stellen: https://podimo.de/tiggestrifft_open

Zwischen Postern und einer zerfledderten Bravo fasste Saskia Michalski im Hamburger Kinderzimmer einst einen lebensverändernden Entschluss: Niemals so eine Beziehungsdynamik leben wie die eigenen Eltern. Sebastian Tigges spricht mit Saskia über das Aufwachsen mit einem hochfunktional alkoholkranken Vater und das Gefühl, schon als Kind die therapeutische Verantwortung für das Glück der Familie tragen zu müssen.

Saskia erzählt, wie diese frühen Erfahrungen den eigenen Lebensweg geprägt haben ... Von der späten Scheidung der Eltern und dem Outing der Mutter als lesbisch, bis hin zur völlig eigenen Definition von Liebe und Identität, Polyamorie und nicht-binären Geschlechtszugehörigkeit.

Diskutiert gerne mit und schreibt mir eure Gedanken zur Folge in der Podimo App oder bei Instagram unter @tiggestrifft_podcast. Viel Spaß beim Zuhören!

Transkript anzeigen

00:00:03: Was hat er denn verkackt?

00:00:04: Mein Vater ... hat eine Erkrankung gehabt, also eine Herzerkrankung.

00:00:09: Und er ... hat immer gesagt, dass die Familie ihm das Allerwichtigste ist und er trotzdem nicht aufgehört zu trinken.

00:00:19: Das heißt, der hat

00:00:19: ein Alkohol-Probleme?

00:00:21: Genau!

00:00:21: Also er sagt nein, weil es ja nur Bier ist, das in Kombination als Kind mit durchzubegleiten ins Krankenhaus zu müssen und immer wieder uns sich verabschieden zu müssen, ist eine Verantwortung die er hätte tragen müssen, sich Hilfe zu holen.

00:00:42: Herzlich willkommen bei Teges Drift!

00:00:45: Es ist wieder Dienstag und ich habe jemanden hier sitzen von der ich schon länger gehört habe weil sie mal ihr Buch zugeschickt hat und mir ist ganz heiß gerade eingefallen dass ich entgegen des Instacodes keine Wärme für dieses Bruch gemacht habe.

00:01:02: Hallo Saskia Michalski

00:01:03: Hallo!

00:01:04: Wie geht's?

00:01:06: Mir geht es sehr gut, das ist sehr heiß.

00:01:07: Es

00:01:07: tut mir so leid, dass es unfassbar heiß.

00:01:09: Ja aber es ist egal wir sitzen in einem trotzdem warmen Zimmer und können uns unterhalten und es ist auch überhaupt gar nicht schlimm, dass du keine Werbe von meinem Buch gemacht hast.

00:01:17: Doch schon ein bisschen neugenehm.

00:01:18: Mir ist das auch schon passiert.

00:01:19: Ich hole

00:01:19: das nach...

00:01:20: Es ist alles gut ich habe... Das

00:01:21: passiert mir die ganze Zeit.

00:01:22: Du kriegst ja wahrscheinlich auch alle längeren Bücher zum Beispiel.

00:01:25: Man kann ja nicht für jedes Buch Werbung machen, aber für das wollte ich eigentlich Werbung.

00:01:29: Das ist sehr nett.

00:01:31: Ich verstehe das und ich glaube, dadurch ... Ist die Empathie auch höher?

00:01:35: Weil ich kenne das.

00:01:36: Ich kenne auch die Scham, wenn es dann ist... Oh ja!

00:01:40: Hab ich vergessen.

00:01:41: Wie geht's?

00:01:42: Ja, sehr gut.

00:01:44: also mir ist ein bisschen eine turbulente Zeit zu mich gewesen weil ich gerade umziehe und viel unterwegs bin.

00:01:51: Das heißt, ich lebe irgendwie halb auf einer Baustelle und halb in einem Zug und noch halb jetzt Hier in diesem Zimmer.

00:01:58: Es ist schön und anstrengend.

00:02:00: Und wie geht's dir?

00:02:03: Mir gehts gut, ich war heute Morgen beim Sport.

00:02:05: Ich bin ganz wach.

00:02:09: Ganz wach!

00:02:10: Abgesehen von dieser Hitze in dem Zimmer geht es mir gut.

00:02:13: Wir haben immer so ein Ort den wir erfragen.

00:02:16: Du hast einen besonderen Ort angegeben.

00:02:20: Ich würde das Interview damit direkt beginnen.

00:02:23: Wir versuchen zu umschreiben deinen Ort.

00:02:26: Das lese ich dir vor ... Und dann kannst du mir danach sagen, was du davon hältst.

00:02:30: Findest du gut?

00:02:31: Ja, finde ich gut!

00:02:31: Okay,

00:02:31: dann machen wir das so... Wir gehen in ein Kinderzimmer in Hamburg.

00:02:35: Ein Raum der auf den ersten Blick nach absoluter Jugendnostalgie aussieht.

00:02:39: An den Wänden hängen bunte Poster von Bands und Teenie-Idole.

00:02:43: In der Ecke liegen noch ein paar vergessene Kuscheltiere und Spielzeuge herum Und auf dem Schreibtisch liegt direkt neben den aufgeschlagenen Schulheften eine zerflettete Bravo.

00:02:53: Eigentlich sollte das einen Ort für unbeschwerte Kindheitsträume sein Doch für meinen heutigen Gast wurde dieses Zimmer zur Keimzelle eines Leisen, aber lebensverändernden Widerstands.

00:03:02: Genau hier zwischen Hausaufgaben und Postern leistete Saskia einen radikalen Schwur für die Zukunft.

00:03:10: Niemals werde ich eine Beziehung führen in der man sich gegenseitig verliert – niemals trage ich dem Mental-Load alleine!

00:03:15: Ein Versprechen an sich selbst das Rückblicken des gesamten Fundamentes für Saskias heute Identität und den aktivistischen Kampf gegen patriarchale Strukturen

00:03:23: legte.".

00:03:26: Da habt ihr auch den Kern des Millennial-Tunes getroffen, dass da eine Bravo rumliegt.

00:03:30: Das lebe ich ja auch ganz toll!

00:03:33: Ja, die sind alles... Die Bravo, ja die gibt's noch.

00:03:37: Aber sie ist anders strukturiert als früher.

00:03:39: Es gab ja früher noch diese Love Stories auch mit diesen Sprechblasen und so total toll.

00:03:45: Die gibt es glaube.

00:03:46: ich würde mich mal aus dem Fenster lehnen nicht mehr aber ich habe mich auch nicht mehr so viel damit beschäftigt muss ehrlich sagen.

00:03:51: Wenn sich noch gibt wahrscheinlich ein bisschen Anders erzählen.

00:03:53: das war immer der coole Junge schnappt sich das hübsche Mädchen.

00:03:56: Das war eigentlich immer die Story?

00:03:58: Genau!

00:03:58: Und dann wird sich gestritten weil vielleicht steht ja die Freundin auf ihn schreiten sich noch die besten Freundinnen, alle um ihn.

00:04:07: Genau und er ist am Ende natürlich ein bisschen überfordert und muss sich dann entscheiden.

00:04:11: Der Arme.

00:04:13: Aber das Bild habt ihr schön umschrieben und auch so für dich sagen relativ treffend.

00:04:20: Erzähl mal da kommen ja bei mir sofort ganz viele Fragen

00:04:23: auf.

00:04:26: wenn du heute in dein Kinderzimmer zurückkehren würdest was hättest du denn für den Gefühl?

00:04:32: Ich hatte ein Gefühl von irgendwie schöner Nostalgie, weil ich mich zu Hause trotzdem auch immer sehr sicher gefühlt habe und in Gleichzeitigkeit von sehr viel Verantwortung.

00:04:46: Für was?

00:04:48: Verantwortung dafür den sehnlichen Wunsch zu haben dass meine Eltern sich näher kommen und sich wieder lieben lernen im Ausdruck leben lernen Weil ich so eine ganz tolle Verantwortung dafür hatte.

00:05:03: Ich bin nämlich die Erstgeborene und hatte einen kleinen Bruder, da waren meine Eltern ... Und ich hatte diese Verantwortung, dass alle das Beste aus ihrem Leben rausholen sollen!

00:05:16: Du als Kind hattest diese Verantwortung?

00:05:17: Ja

00:05:18: also ich hab sie mir zugeschrieben weil ich oft das Gefühl hatte für das Glück meiner Familie verantwortlich zu sein.

00:05:26: Warum?

00:05:28: Weil Ich irgendwie als Kind schon so sehr viele Fragen gestellt habe und hab mich nicht so leicht verarschen lassen.

00:05:37: Also ich glaub, wenn man mir gesagt hat, ach ist alles gut und macht nichts und sich dann eine Träne weggewischt hat oder so ... Dann weiß ich glaub euch nicht was hier genau los ist?

00:05:46: Und ich war dieses typische Kind das immer unter den Teppich gucken wollte und gesagt hab, was kehrt ihr eigentlich alle unter dem Teppi?

00:05:52: Mich könnt ihr nicht verarshen!

00:05:53: Was wurde unter der Teppiche gekehrt?

00:05:55: Es wurde unter den teppich gekehrtssicht zu fragen Wie bin ich denn überhaupt glücklich?

00:06:02: Und was macht mich dann überhaupt aus?

00:06:03: oder bin ich finanziell einfach abhängig.

00:06:06: Ich glaube, meine Eltern haben so eine typische Beziehung geführt von ... Meine Mama war zu Hause und mein Vater war arbeiten.

00:06:13: Dadurch war sie irgendwie finanzieller abhängiger von ihm.

00:06:16: Er war nie wirklich da, hat aber das Geld nach Hause gebracht in Anführungsstrichen, war aber dafür emotional abwesend.

00:06:24: Und meine Mama hat durch uns Kinder gelebt.

00:06:28: Und dadurch hat, also unsere Hobbys waren ihre Hobbies.

00:06:31: Unsere Aufgaben waren das wo sie aufgeblüht ist und dadurch hatte ich irgendwie das Gefühl dass ich erstens das Leben meiner Mutter füllen muss weil die lebt ja durch uns und durch mich.

00:06:40: dann muss ich auf mein klein Bruder aufpassen weil ich bin ja in einem Verstrichen.

00:06:43: die große würde ich ganz gerne erklären, dass es nicht nur damit getan ist zur Arbeit zu gehen.

00:06:51: Sondern vielleicht auch zur Veranstaltung zu kommen, die mir wichtig sind und nicht nur zu denen, womit er was anfangen kann, aka Fußball.

00:06:59: Und deswegen habe ich mir diese Verantwortung zugeschrieben in, glaub ich so eine Hoffnung.

00:07:04: Eine Hoffnung, dass ich die verändern kann ... Dass ich sie ... zu einer Veränderung in ihrer Beziehung oder auch Veränderungen im Verhalten uns gegenüber verändern

00:07:15: kann.

00:07:16: Wie alt warst du da, wenn du zurückdenkst?

00:07:18: Wie alt bist du dann?

00:07:19: Sieben,

00:07:19: acht ... Ist ja schon viel für so

00:07:22: ein

00:07:23: kleines Kind.

00:07:23: Voll!

00:07:24: Ich war einfach neugierig auch, weil ich dachte es ist keiner nicht sein.

00:07:27: Also, ich hatte so einen... Ich weiß noch ganz genau, ich dachte halt alle Eltern sind so dass sie einfach nebeneinander her leben was man sagt Hallo wie war dein Tag gut deiner Was gibt's zu essen?

00:07:38: Essen, Gute Nacht Tschüss.

00:07:40: Ich war doch

00:07:40: schrecklich.

00:07:41: Weil ich hatte meine Großeltern als Nebenvorbild, die nach keine Ahnung wie vier Ehe jahren so verliebt waren, wie man sich das nur vorstellen kann.

00:07:50: Ich immer dachte, warum ist das bei meinen Eltern nicht so?

00:07:53: Also ... Ist das hier eine Zweckgemeinschaft und das war dadurch ein tiefes Gefühl von ..."Meine Eltern haben sich nicht

00:08:01: lieb.".

00:08:04: Endlich gesagt, wenn ich dir zuhöre, würde ich sagen, dass bewegt sich leider im Rahmen der Normalität der westdeutschen Kleinfamilie, so in der Generation unserer Eltern.

00:08:18: Du bist nicht viel jünger als ich, glaube ich.

00:08:23: Was hat dich aber dazu bewogen, dich dann so stark davon abzugrenzen?

00:08:29: Also ich glaube dieses Abgrenzungsgefühl kennen viele die in solchen Elternhäusern groß geworden sind wo körperliche Emotionalen eher einfach nicht präsent war.

00:08:42: Hast du das besonders stark mitbekommen, weil du so sensibel bist?

00:08:46: Ich würde sagen ja.

00:08:49: Also ich hab jetzt auch ... Ich habe mich immer gefragt ob ich einfach zu sensibel bin oder warum ich das alles mitbekomme.

00:08:57: Mittlerweile weiß ich auch, dass die eine oder andere Diagnose bei mir vorliegt wo ich mit so Mustererkennung nicht so gut loslassen kann wenn ich sie sehe und also auch ne Neure Divergenze nicht irgendwie ... Mir kam das so wie ein Schauspiel!

00:09:12: Ich dachte so, warum Schauspieler nennen alle?

00:09:14: Ihr habt euch doch eben gerade noch beschwert.

00:09:18: Wo wir denn ...

00:09:19: Also die beschweren sich sozusagen ja und nie fragt er nach.

00:09:24: Du kennst ihn doch den Vater, sozusagen meine Mutter.

00:09:30: Und mein Vater beschwert sich die ganze Zeit über die Arbeit und sagt er hat für nichts Zeit.

00:09:34: Dann sitzen sie eine Stunde später am Tisch und tun sie als wäre nichts gewesen.

00:09:38: Das hat mich total verwirrt, hab ich nachgefragt.

00:09:41: Ich dachte, ihr seid genervt.

00:09:43: Also was machen wir denn jetzt damit?

00:09:44: Und dadurch habe ich irgendwie so ganz schnell die Rolle eines eigentlich einer therapeutischen Person eingenommen in dieser Familie.

00:09:53: Warum und das muss man dann wirklich verstehen, ich habe nicht verstanden warum diese erwachsenen Menschen ein Schauspiel spielen.

00:10:01: Ich hab's nicht begriffen.

00:10:02: Warum redest du mit mir aber nicht mit meinem Vater?

00:10:04: Und ich glaube solange man mir nicht Antworten geben konnte, die für mich irgendwie Sinn ergeben haben Für mich einfach gemerkt, das möchte ich so nicht.

00:10:15: Wir sind deine Eltern damit umgegangen, dass du dann so nervig warst?

00:10:19: Also wie ich das aus eigener Form und vielleicht auch aus dem Umfeld kenne ... Kinder werden ja eher klein gehalten.

00:10:28: Ich stelle dich zu

00:10:30: Fragen.

00:10:31: Ja total!

00:10:33: Ich muss sagen ... Ich glaube für mich war es von mütterlicherseits, sehr gut fand, dass ich eine eigene Meinung hatte.

00:10:42: Meine Mama ist so selbstbewusst und war auch immer so, ich finde gut, dass du nachfragst, dir nicht alles sagen lässt und so.

00:10:49: Mein Vater ist eher Kandidat von ... Ich sag mal eben, ich bin ganz stolz auf dich und du machst das alles ganz toll und ich hab dich ganz lieb.

00:10:59: Und dann passt das schon wieder!

00:11:01: Wenn ich aber frage, auf was bist du denn stolz?

00:11:03: Kann er mir keine Antwort geben.

00:11:06: Ist es heute anders?

00:11:07: Ich habe keinen Kontakt mehr zu ihm.

00:11:09: Ich hab jetzt seit meiner Eltern haben sich geschieden vor vier Jahren.

00:11:14: Und da war ich halt gezwungen, irgendwie eine neue Verbindung zu ihm aufzubauen und das hat nicht so gut funktioniert.

00:11:22: Weil ich dafür ein paar Voraussetzungen hatte die ich brauchte von ihnen zu sagen okay jetzt verbindet uns nicht mehr Mama So nach dem Motto, ich erzähle alles Mama und Mama erzählt hier alles.

00:11:31: Wir müssen jetzt zu zweit irgendwie neu hinbekommen.

00:11:34: Und dafür brauche ich dass wir uns zusammen Dinge angucken die in der Vergangenheit passiert sind und das wird sie zusammen aufarbeiten.

00:11:41: Und zwar auch du!

00:11:43: Er ist eher der Typus von wir müssen positiv in die Zukunft gucken... ...und ich bin so äh ne?

00:11:50: Du

00:11:51: vermeidest?!

00:11:51: Wir müssen uns das angucken damit wir es reparieren können damit wir in die zukunft gucken können und da ist dieses Have-Awarenis einfach nicht da.

00:12:00: Und deshalb für mich eine Konsequenz zu sagen, dann möchte ich das so nicht.

00:12:05: Weil ich möchte nicht für immer in der Hoffnung leben, dass er es versteht.

00:12:11: Ich brauche ... Es ist völlig okay wenn er Sachen verkackt hat, es ist völlig ok, wenn er Dinge falsch gemacht hat.

00:12:17: Aber wir müssen da zusammen drauf gucken!

00:12:19: Es geht nicht zu sagen... Und jetzt gucken wir mal positiv in die Zukunft.

00:12:29: Diese Wunden, die entstanden sind, werden nicht geheilt.

00:12:32: Das ist auch seine Verantwortung als Erwachsener-Mann.

00:12:35: Was hat er denn verkackt?

00:12:39: Loyalitätsthemen definitiv ... Ich würde es nicht im Detail nennen, aber ich sag mal... Er hat oft gesagt, dass er stolz auf mich ist und für mich da ist.

00:12:50: Dass er Dinge für mich tut.

00:12:53: die er nicht eingehalten hat, weil seine Kumpels ihm wichtiger waren und auch das Ansehen seiner Kumpel ihm wichtiger war.

00:13:00: Und was auch noch ein wichtiger Faktor ist ... Das muss ich ehrlich sagen, mein Vater hatte eine Erkrankung gehabt, also eine Herzerkrankung.

00:13:08: Ich musste schon sehr früh in meinen jungen Jahren mich oft von ihm verabschieden, weil ich nicht wusste, ob er es schafft.

00:13:16: Er hat immer gesagt, dass die Familie ihm das Aller-Allerwichtigste ist.

00:13:21: und er trotzdem nicht aufgehört zu trinken.

00:13:25: Das heißt,

00:13:25: der hat ein Alkohol-Problem?

00:13:26: Genau, also er sagt nein, weil es ist ja nur Bier ... Und das sind ja nur fünf Halbe am Abend oder vier halbe am Abend.

00:13:35: Jeden Abend!

00:13:36: Ja, also die Feierabend ... Es hat kein Feierabelbier, sondern es sind Feieralbenbiere.

00:13:42: Und das in Kombination als Kind mit durchzubegleiten und in Folge dieses Lebensstils immer wieder ins Krankenhaus zu müssen und sich immer wieder verabschieden zu müssen, ist eine Verantwortung die er hätte tragen müssen, sich Hilfe zu holen.

00:14:00: Und bis heute ist es so dass ich einfach sehr lange... Es darf man sich auch nicht irgendwie runterspielen.

00:14:09: Also zwanzig Jahre lang habe ich gebraucht um das Muster abzulegen Männer retten zu wollen in meinem Beziehung.

00:14:16: Das kommt daher.

00:14:19: Deswegen hab ich gebraucht von ihm, dass er sich das mit mir anguckt und einfach nur sagt, weißt du was?

00:14:24: Ich habe eine Krankheit gehabt.

00:14:25: Ich bin deswegen in ein Loch gefallen.

00:14:27: Ich habe versucht mich zu betäuben.

00:14:29: Ich konnte deswegen nicht da sein.

00:14:30: Und es tut mir von Herzen

00:14:31: leid.

00:14:32: Das sagt er nicht.

00:14:33: Nein!

00:14:33: Er sagt, ich hab kein Problem ... Es war halt schwer.

00:14:38: so ist das manchmal und wir müssen positiv in die Zukunft gucken.

00:14:41: Und ich glaube, das wäre alles gewesen, was es gebrauchte, dass es wirklich versteht

00:14:49: Der hört das jetzt hier und ruft dich an.

00:14:51: Gibt's noch einen Weg zurück oder nicht?

00:14:53: Ich glaube, also vielleicht wenn er es verstehen würde aber ich bekomme einfach immer dieselbe Geburtstagskarte wo immer das Gleiche drin steht.

00:15:02: der checkt halt gar nicht dass er was falsch gemacht hat.

00:15:05: Es ist halt so dieses typische von ich weiß ja gar nicht Was die alle

00:15:10: haben.

00:15:11: Schreibt mal dein Gefühl als kleines Kind Wenn dein Vater getrunken hat.

00:15:18: Sag dir ehrlich, ich dachte das normal.

00:15:21: Ich hab erst in meinen zwanzigern erkannt, dass es ein Alkoholproblem war.

00:15:25: Das ist wirklich normal als Kind auf dem Sofa zu sitzen mit Mama und wir gucken was im Fernsehen.

00:15:33: Wir haben uns darüber unterhalten ob er das Schlüssellauf trifft heute oder nicht.

00:15:37: Noch mal?

00:15:38: Mama und ich saßen auf einem Sofas ... Dann nach Hause kommen!

00:15:41: Genau, weil er war dann irgendwie bei der Arbeit und dann war da noch Schwimmen mit seinem Kumpel.

00:15:46: Und dann gab's nach dem Schwimmen, nach dem Sport, gab es natürlich noch Bier... ...und dann war so dieser Gess-Trifter, na wie lange braucht er heute um den Schlüsselloch zu finden in der Haustür?

00:16:01: Das machen die Männer so, haben halt Feierabendbier.

00:16:04: Der trinkt ja keinen Schnaps!

00:16:05: Es war immer diese Idee von einem Mann mit Alkoholproblem ist der, der in nem Tanktop und ner Wodkaflasche auf dem Sofa einschläft.

00:16:14: Aber es war halt dieser Alltagshochfunktionale-Alkoholismus den du niemals angesehen hättest.

00:16:21: Und deswegen kann ich gar nicht beschreiben wie ich mich geführt habe weil ich dachte das ist normal...

00:16:27: aber war's bedrohlich für dich?

00:16:29: ...es war beschämend.

00:16:32: Vor Freundinnen?

00:16:33: Ja, natürlich.

00:16:35: Man muss sich vorstellen so keine Ahnung.

00:16:36: ich hatte mein allerersten Freund zu Hause und er versucht sich mit allem was er hat irgendwie zusammenzureißen gerade einen Satz rauszubringen als er denn da stand.

00:16:48: Und das habe ich natürlich gemerkt.

00:16:51: oder wenn irgendwie ja dass war einfach eine eine krasse Kompensierung.

00:16:59: Und da muss ich auch sagen, so gesellschaftlich von ... Es ist mein Gäst und es ist nicht diagnostiziert.

00:17:04: Aber ich bin einfach sehr sicher, dass er durch diese Herzerkrankungen Depression irgendwie hatte und versucht hat das damit zu betäuben und zu entfliehen und konnte einfach nicht mit uns darüber reden.

00:17:16: Ich hab mich sehr viel geschämt!

00:17:18: Sehr, sehr, sehr viel geschämt.

00:17:21: Er war nicht bereit, das anzusehen.

00:17:26: Das ist der Punkt.

00:17:27: Nicht zu verstehen, was das heißt, dass zwanzig Jahre aufräumen zu müssen ... nie die Verantwortung ablegen zu können.

00:17:38: Ich fühle mich überverantwortlich für fast jeden Menschen auf dieser Welt.

00:17:41: Selbstfremde!

00:17:43: Und das kommt einfach durch dieses immer-aufpassen-müssen-auf alle Gefühl.

00:17:49: Mhm.

00:17:50: Zu deiner Mutter hast du noch Kontakt?

00:17:51: Ja, genau.

00:17:53: Sie hat das irgendwie anders gelöst.

00:17:55: Also sie hat sogar auch im Podcast tatsächlich sich mit mir hingesetzt und hat einfach sämtliche Themen aus Kindheit und Jugend mit mir aufgeräumt.

00:18:12: Und es war super krass, also sie hat sich wirklich dahingesetzt und gesagt dass und das und das würde ich niemals wieder machen.

00:18:19: Das war der Grund, es gab keine Rechtfertigung.

00:18:22: Aber ich würde's jetzt einfach anders machen und das ist der entscheidende Punkt.

00:18:26: Sie hat es auch anders gemacht.

00:18:28: Und das ist was bei mir irgendwie zählt und was heilt, ist gar nicht so eine Perfektion.

00:18:35: Sondern sozusagen, hey, ich hab's verkackt, lass mal reparieren, was können wir machen?

00:18:40: Wie wollen wir damit umgehen?

00:18:42: Ist es für dich damit geheilt?

00:18:45: geheilt nicht, aber es gibt überhaupt die Chance das was heilen kann.

00:18:49: Also ich finde ja so eine Beziehung und egal ob es jetzt Friends sind oder Familie oder eine Partnerschaft ist ja nicht gut weil's keinen Streit gibt sondern es geht hier um die Fähigkeit etwas zu reparieren und dafür braucht es sehr überhaupt diese Bereitschaft sich hinzusetzen und zu sagen, ich schäme mich.

00:19:09: Und ich habe Schuld weil... Ich habe es

00:19:11: verkackt.

00:19:12: Warum brauchst du das umzuhäilen?

00:19:17: Zu heilen nicht sondern reparieren.

00:19:20: Gemeinsam zu reparieren?

00:19:21: Genau als gemeinsam zu repariern!

00:19:23: Ich glaube zu heilen ist ja letztendlich auch so ein Ding von ... Das Wunden die da entstanden sind, die sind nie ganz weg.

00:19:32: Ich hab einfach nur gelernt mit ihnen gut umzugehen.

00:19:35: also Das ist einfach jetzt mittlerweile, da kommt so ein Überverantwortungsgefühl.

00:19:41: Ich denke mir so ... Ach ja!

00:19:43: Ich weiß vorher, dass es kommt.

00:19:44: Nein nein und ich kann damit gut umgehen.

00:19:47: Aber das tut nicht mehr so weh.

00:19:50: Es ist irgendwie normal für mich geworden und okay.

00:19:54: Aber dieses Reparieren, das kann halt nicht stattfinden.

00:19:57: wenn eine Person sitzt und sagt Ja... Ist halt dumm gelaufen.

00:20:03: Fühlst du dich dann allein gelassen von deinem Vater?

00:20:07: Mit deinem Schmerz?

00:20:12: Ich fühle mich ... Alleingelassen fühle ich mich nicht.

00:20:17: Ich fühl mich für doof verkauft, weil ich zu hundert Prozent weiß, dass er ja weiß, das ich die Wahrheit sage.

00:20:29: Aber es

00:20:31: war halt nicht so ... Er hat eine andere Wahrheit, ne?

00:20:35: Es glaube ich nicht!

00:20:36: Glaubst du nicht?

00:20:36: Ich glaube, er vermeidet sie.

00:20:39: Ich bin sehr sicher, mein Papa ist ein doller Peoplepleaser.

00:20:45: Deswegen ist das für mich eine große Red Flag geworden.

00:20:49: Weil ich ... Der weiß nicht, wie er sich dem unangenehmen Gefühl aussetzen soll jemanden zu verletzen und versteht gar nicht, dass er durch die Vermeidung mich verletzt.

00:21:06: Und deswegen ... Ich weiß nicht, das ist eine Scham, die da in ihm wuchert.

00:21:12: Dass er ganz schnell sagt ... Da guck ich lieber nicht hin!

00:21:15: Das mach' ich jetzt schon hier sechzig Jahre nicht.

00:21:18: und oh-oh, wenn ich das einmal aufmache, dann müsste ich ja mir eingestehen.

00:21:23: Das, das, das.

00:21:24: Kannst

00:21:24: du's auch verstehen?

00:21:26: Bedingt.

00:21:27: Ist ein Riesenschmerz der dann auf ihn warten würde.

00:21:30: Genau aber er hat diesen Riesenschmerz vielen anderen Menschen beschert.

00:21:35: Und vor allem im erwachsenen Körper.

00:21:38: Also wenn ich als Kind überhaupt noch keine neuronalen Strukturen habe, dass sich in irgendeiner Art und Weise Entscheidungen treffen sollte die für Erwachsene bestimmt sind.

00:21:48: Weil es Erwachsenen nicht können dann muss ich ganz klar meine Verantwortung hinterfragen.

00:21:53: Und das ist einfach etwas... und wenn ich es nicht geschafft habe zu dem Zeitpunkt, muss ich wenigstens in der Lage sein danach zu sagen hey!

00:22:01: Ich war nicht in der Lage.

00:22:03: Das tut mir leid.

00:22:04: Ich habe es verstanden.

00:22:06: Ist gar ja.

00:22:06: auch Das ist so ein bisschen der Punkt, weil ich bin jetzt drein- dreißig Jahre alt und dadurch denke ich mir so ... Ich bin ja auch erwachsen.

00:22:14: Wir sind ja beide erwachsen!

00:22:16: Also

00:22:17: er sieht in dir halt

00:22:18: noch das Kind aus?

00:22:18: Wir schaffen das jetzt doch oder nicht?

00:22:20: also wenn ich sage dass man das und das habe ich jetzt verkackt kann es sein, dass du das nicht schaffst.

00:22:26: da denke ich mich so wie weit ist ein Mensch bereit sich selbst zu begegnen?

00:22:32: deswegen weiß ich es hat absolut nichts mit mir zu tun.

00:22:34: vermisst Du ihn denn?

00:22:35: Was wenn ihr jetzt morgen stirbt?

00:22:42: Dann bin ich traurig um die Erinnerung, die ich mit ihm habe.

00:22:47: Aber ich habe mit ihm nicht diese gemeinsamen Erlebnisse... ...die ich mir gewünscht hätte für eine tiefe Verbindung.

00:22:57: Ich gebe ein Beispiel!

00:22:58: Ich habe zwanzig Jahre lang Leistungstanz gemacht.

00:23:02: Meine Mama war auf jedem Turnier, meine Großeltern waren auf jedem turnieren.

00:23:05: Ich hab mein Bruder zusammen getanzt und er war auf einer Meisterschaft.

00:23:08: Warum?

00:23:09: Weil er gesagt hat, er kann mit der Musik nichts anfangen.

00:23:12: Er war bei jedem Fußballspiel meines Bruders.

00:23:16: Also das sind so Dinge ... äh ja und da hab ich kein... Ich glaube es ist so krass weil ich habe da keinen Verständnis für.

00:23:25: Also selbst in meiner Beziehung, wenn meine Beziehungsperson Hobby-Horsing machen will und sich da ein Ringelkleid anziehen will, dann kaufe ich die Pferdeäpfel dazu.

00:23:34: Es ist völlig scheißegal wie ich das finde!

00:23:36: Ich find's geil weil es freut meine Beziehungspersonen.

00:23:38: Deswegen ist es glaube ich ein Wertkonflikt den ihr nicht mit ihm habt.

00:23:41: Weil ich habe mit ihm nichts gemeinsam.

00:23:43: Ich sehe die Dinge so signifilkant anders als er dass das einfach schwierig ist mit ihm zusammenzukommen Nur weil es jetzt Blut ist, denke ich nicht.

00:23:52: Oh Mann!

00:23:53: Jetzt muss ich mir hier ein Thema aus dem Kreuz leiern.

00:23:56: Deine Eltern sind geschieden?

00:23:57: Deine Mutter hat sich mit um die Vierzig als Late-Bloomer als lesbisch geoutet.

00:24:05: Genau, mit U-Fünfzig.

00:24:07: Ist aber nicht schlimm.

00:24:07: Entschuldigung...

00:24:08: Hat das deine Sicht auf die Beziehung deiner Eltern geändert im Nachhinein oder nicht?

00:24:15: Tatsächlich habe ich ... also nein Hat's nicht, es hat die Sicht darauf nicht verändert.

00:24:20: Ich hab mich gefreut ... dass sie sich getrennt haben.

00:24:28: Richtig gefreud?

00:24:28: Ja!

00:24:29: Es war ganz schlimm.

00:24:30: Also gleichzeitig war das auch ganz schlimm, weil in meiner Familie immer so ist, wir sind noch alle verheiratet und keiner ist geschieden.

00:24:37: Das wurde mal hoch.

00:24:39: Wir haben's geschafft.

00:24:41: Da wurde gar nicht beleuchtet, dass funktionale Beziehungen nichts mit Länge zu tun haben, sondern eher mit dem Inhalt der Beziehung.

00:24:49: Ja.

00:24:50: Und dann war ich eher so, oh mein Gott!

00:24:53: Sie haben es geschafft weil... Ich bin der ganz darin Überzeugung hätten sie sich früher getrennt wäre das zwar schmerzhaft gewesen aber ich hätte zwei glückliche Elternteile gehabt.

00:25:05: So hatte ich zwei Elterenteile die sich nichts mehr zu sagen

00:25:08: haben

00:25:10: und die nichts mehr gemein haben.

00:25:12: Und als meine Mama dann gesagt hat, nie wieder einen Mann ... Ich hab irgendwie ... ich entdeckt das für mich.

00:25:21: Ich möchte eine Frau an meiner Seite.

00:25:25: Weil ich eine kennengelernt habe, war ich so, oh mein Gott!

00:25:28: Meine Mama lebt.

00:25:30: Die unternimmt ganz viel.

00:25:31: Die liebt ihr Leben wieder.

00:25:34: Mein Papa hat auch ne Partnerin Eine neue.

00:25:37: Und auch wenn ich davon nicht viel weiß, denke ich mir halt auch sehr gut und der hat jetzt halt das Leben und findet das halt geil.

00:25:43: so ein Glück weil die waren null kompatibel.

00:25:46: Das war also dieses typische man kommt früher zusammen in den neunzigern Man zieht zusammen man kriegt Kinder man heiratet sehr sehr früh und eigentlich haben wir Nicht wirklich was gemeinsam.

00:25:58: und dann ist man halt aber irgendwie zusammen und sagt wegen der kinder da denkst du Loll.

00:26:05: Vielen Dank!

00:26:06: Ja, weil wir kriegen das ja alles mit.

00:26:07: also das ist ja unser Vorbild sozusagen.

00:26:12: Deswegen war ich froh.

00:26:15: Vorbild waren deine Eltern ein Vorbild als du dann eine monogame Ehe geführt hast?

00:26:22: Nee meine Großeltern.

00:26:24: Meine Großeldern sind so das binäre Gegenteil dazu es auch sehr verwirrendes als Kind weil es so eine Ambivalenz ist.

00:26:32: Was isst denn jetzt nur mein Vorbild?

00:26:35: Und die sind so ... ja, über sechzig Jahre verheiratet und warten immer noch aufeinander jeden Morgen um sich das Obst zu schneiden beim Frühstück und halten Händchen und lieben sich und erzählen immer wie toll sie sich finden.

00:26:48: also die sind wie ein junges frischverliebtes Paar und sind vor allem sehr loyal einander gegenüber beeindruckt.

00:26:57: Und das hat mich auch sehr geprägt, weil ich auch einen sehr nahes Verhältnis zu den habe und das war so mein Vorbild.

00:27:02: Weil ich halt wusste okay die können das halt schaffen und die schaffen das uns zwar nicht indem sie nicht reden sondern indem sie sich schätzen.

00:27:10: Was glaubst du ist der Unterschied in der Ehe zwischen deinen Großeltern und deinen Eltern?

00:27:15: Kann man das überhaupt lenken?

00:27:16: oder dass es einfach mal eine Liebe passen die nicht zusammen oder... Es ist auch Einsatz.

00:27:23: Ich glaube es ist ein Mischbild.

00:27:26: Ich hab so ein bisschen das Gefühl, mein Opa ist so richtig dort obsessed mit meiner Oma und hat schon immer gewesen und immer hin- und weggewiesen.

00:27:34: Und meine Oma auch!

00:27:35: Deswegen sind sie so ganz doll bereit Dinge gemeinsam schaffen zu wollen.

00:27:42: Das hat bei meinen Eltern glaube ich gefehlt.

00:27:47: Da waren eher die Kinder der Kleber und nicht – ich finde dich so toll irgendwann.

00:27:54: Das ist ein großer Unterschied.

00:27:55: Und ich muss auch sagen, Gemeinsamkeiten.

00:27:59: Meine Oma und Opa haben unglaublich viel gemeinsam.

00:28:03: Ein ähnliches Wertesystem.

00:28:04: Die haben irgendwie ähnliche Hobbys die haben schwere Zeiten gemeinsam durchlebt.

00:28:09: Auch schwierige Entscheidungen gemeinsam getroffen.

00:28:12: Und zum Beispiel auch mein Opa muss man ganz klar sagen, mein OPA kocht, mein opa bügelt, mein opa wäscht.

00:28:17: es macht er schon immer.

00:28:19: das war in meiner bei meinen Eltern nicht der Fall.

00:28:23: Da gibt es schon große Unterschiede.

00:28:27: Du bist heute geschieden?

00:28:28: Ja!

00:28:31: Woran lag's?

00:28:33: Es lag tatsächlich an sowohl einem Vertrauensthema, welches von Anfang an der Beziehung sich irgendwie so durchgezogen hat und sich nach sieben Jahren auch irgendwie immer noch aufgekommen ist...

00:28:53: Was meinst du damit?

00:28:54: Einfach ... Vertrauensbruch, alle Menschen denken immer so Gott ich wurde betrogen.

00:29:00: Im physischen Sinne aber das geht auch anders und auch nicht emotional im Sinne von Gefühle.

00:29:05: für andere Menschen sind einfach Dinge wegen Dingen gelogen die irgendwie aus Selbstschutz passiert sind.

00:29:15: wird da so aus persönlichen Gründen da die Person gerne schützen wollen oder nichts ans Detail gehen?

00:29:19: Aber dass es definitiv was so gewesen ist Und auch wir haben wie so eine Entwicklung gehabt in zwei Richtungen.

00:29:31: Ich hab das Gefühl, wir haben uns in Liebe miteinander entwickelt aber aus der romantischen Liebe heraus.

00:29:40: Ist das nicht normal?

00:29:43: Ja es hat sich aber irgendwie so... Es hat sich ein bisschen so angefühlt als hätten wir uns nichts mehr zu sagen im Sinne von also hätten auch unsere Nicht nur unsere Bedürfnisse sich verändert oder Wünsche, sondern auch unsere Interessen und Dinge für die wir uns begeistern.

00:30:04: Und dadurch war das so eine Trennung von.

00:30:09: lasst das mal jetzt auch machen?

00:30:11: Wir sind aber okay und cool miteinander.

00:30:14: Das hat auch super funktioniert!

00:30:17: Wir haben uns die Hand auf Dinge gegeben als wir uns getrennt haben bezüglich der Ehe.

00:30:22: Wir haben es erst zwei Jahre später geschieden.

00:30:24: Es ist alles genauso geblieben.

00:30:26: Wir haben nie was daran verändert, alle Absprachen sind so eingetreten.

00:30:31: Ich wusste immer ... Wenn dieser Mann etwas sagt, dann hält er das und er wusste auch ich würde ihm nie irgendwas Böses tun.

00:30:42: Und ich weiß doch im Internet haben alle auf die große Schlammschlacht gewartet.

00:30:45: Das weiß ich noch!

00:30:46: Und wir haben uns da ein bisschen witz drüber gemacht weil es war überhaupt nicht ... Es war nicht irgendwie so, wie kann ich dir eins auswischen?

00:30:56: oder so.

00:30:57: Die Trennung war schlimm aber sie war ... nicht dreckig.

00:31:03: Würden Sie noch mal heiraten?

00:31:04: Ja!

00:31:06: Ich hab keine Angst vor dem Heiraten weil es ist so.

00:31:13: die Frage ist wieso weshalb warum heirate ich und solange ich selber gestalten kann was ich darunter verstehen möchte das ist für mich okay Ich möchte die Liebe zelebrieren.

00:31:25: Wie das aussieht, würde ich dann gemeinsam entscheiden.

00:31:30: Aber Monogame kommt für dich nicht mehr in Frage?

00:31:33: Also ich lebe tatsächlich gerade monogramm und habe ja sechs Jahre aktiv Poly gelebt.

00:31:41: Und das ist so ein ganz wichtiger Punkt den auch viele irgendwie missverstehen.

00:31:45: zu dieses Wenn ich einmal sage, ich bin das eine und das andere nicht.

00:31:51: So funktioniert das nicht sondern... Naja, also Beziehungskonzepte sind für mich etwas Bedürfnisorientiertes.

00:32:03: Und wenn ich sage... Also jetzt Beispiel, wenn ich sagen, Ich möchte für mein Nervensystem und weil ich mich gerade wohl da damit fühle und meine Lebensumstände so dazu passen um eine ziele Monogam-Leben heißt das ja nicht dass das davor gelogen war.

00:32:17: Das heißt einfach nur, dass ich das gerade für mich zu entscheide So wie Menschen sagen, ich möchte jetzt Single sein.

00:32:23: Da sagt ja auch keiner.

00:32:24: Also dass du in Beziehung warst, das war gelogen und ... Das ist so stark gedacht.

00:32:32: also wenn wir irgendwie wollen, dass jeder Mensch sich für ein Beziehungsmodell entscheiden kann, es ist ja genau das.

00:32:38: Zu jeder Zeit zu entscheiden, wie möchte ich meine Beziehungen gestalten?

00:32:41: Und eben nicht von etwas auszugehen und zu sagen, so ist das auf jeden Fall weil's vorgegeben ist.

00:32:49: Es ist unabhängig Deiner Beziehungsperson, ob du Monogramm oder nicht Monogrammen leben möchtest?

00:32:56: Ja und auch von den Erfahrungen.

00:32:58: Also man muss halt auch mal ganz klar sagen sechs Jahre aktives Polyleben ist unglaublicher emotionaler Load.

00:33:05: Man wird besser darin keine Frage aber das ist etwas wo Dinge hinten runterfallen.

00:33:10: egal ob es jetzt Hobbys sind die intensiv betrieben werden Oder ich bin auch ein sehr hyper fokussierter Mensch mag denn auch in etwas sehr aufzugehen und wenn ich dann ein Job habe, mehrere Projekte habe, zwei Beziehungen habe und noch um mich selber kümmern will.

00:33:29: Und noch einen Hobby

00:33:30: usw.,

00:33:31: dann ist das einfach viel!

00:33:33: Das ist auch mit viel emotionaler Arbeit verbunden immer auf mehrere Bedürfnisse achten usw.

00:33:39: Da kann das nach sechs Jahren sein... Ich möchte einfach mal Raum haben für was Neues an was ich in mein Leben einlade, außer romantische Beziehungsgespräche zu führen.

00:33:59: Das ist tatsächlich eigentlich gar nicht so wild und auch das ist ja so unglaublich verschieden wie Menschen es ausleben.

00:34:07: also zum Beispiel wenn man eine offene Beziehung hat dann kann das zum Teil sein dass das nicht so einen Rattenschwanz ins alltägliche leben mitbringt wie in einem Polileben.

00:34:16: Weil wenn ich jetzt Beispiel auf eine Beziehung habe und ich gehe auf eine Party, knutste da einmal rum zum Beispiel.

00:34:22: Dann komme ich nach Hause dann ist es vielleicht auch erstmal mit Emotionen verbunden.

00:34:25: aber das ist ja nichts im Alltag Integriertes.

00:34:28: Was ja durch eine Polyamore-Beziehung, wenn ich mehrere Beziehungen führe und mehreren Alltag habe und mehrere Verpflichtungen habe und Verflechtungen ... Da kann ich nicht sagen Ja!

00:34:41: Jetzt geh' ich nach Haus und jetzt hab' ich damit nix mehr zu tun.

00:34:44: Wie

00:34:44: viele hattest du denn?

00:34:45: Gleichzeitig.

00:34:46: Ist das eine drohe Frage?

00:34:49: Wie viele hatte ich immer, wie viel hat die zu Hause?

00:34:52: Nee, wenn es als Polybeziehung

00:34:56: zu mehreren Menschen gleichzeitig...

00:34:58: Also es gibt so einen Begriff der nennt sich Polisaturated Das heißt ab wann die Kapazitätsgrenze voll ist.

00:35:07: und ich kann sagen Ich führe sehr gerne Intensive Beziehungen, da war bei mir bei zwei immer Schluss.

00:35:13: Also ich hatte jetzt gar nicht so die Kapazität zu sagen ach das sind so drei vier fünf.

00:35:22: Das schaffe ich.

00:35:24: Ich glaube es geht schon wenn wir uns davon verabschieden dass Beziehung immer geteilte Alltag sein muss.

00:35:31: also Beispiel Wenn ich eine Beziehungsperson gehabt hätte irgendwie in der Schweiz lebt und wir sehen uns alle drei oder vier Wochen für zwei Tage.

00:35:42: Dann kann ich mir schon vorstellen, dass dafür mehr Kapazitäten da sind.

00:35:47: aber das heißt halt nicht ... Wir reden jeden Tag, Facetime jeden Tag usw.

00:35:58: Kannst du dir vorstellen jetzt dein Leben langen Monogramm zu leben?

00:36:05: Ich kann mir vorstellen immer wieder daran zu arbeiten, dass es so bleibt.

00:36:16: Was bedeutet das für eine Arbeit von deiner Seite?

00:36:20: Es bedeutet vor allem ehrlich zu mir selber zu sein und zu verstehen – und das ist glaube ich ein ganz wichtiger Part – nur weil sich ein Bedürfnis verändert in einem Moment.

00:36:39: dass daraus gehandelt werden muss.

00:36:42: Also es ist so ein Learning von mir, zum Beispiel nur weil ich irgendwie irgendwo einen Crush habe.

00:36:48: heißt das nicht, dass ich ganz dringend ... Dass ich jetzt wissen muss.

00:36:54: oh was steckt dahinter?

00:36:55: Weil oft ist es so da nichts dahinter steckt.

00:36:59: also kann aber es ist meistens wie ein Buschfeuer und ich glaube wenn... Ich brauche viel diese Erfahrung zu sagen Was genau ... Die Arbeit ist, zu sagen was genau es ist gerade.

00:37:15: Ist das eine Fantasie?

00:37:16: Ist es etwas, was mir fehlt oder wirklich ausleben will?

00:37:19: und ich kann definitiv sagen, ich hätte es mir niemals vorstellen können wenn nicht durch mein Polyamores Leben meine Queerness so hätte ausleben und entdecken dürfen.

00:37:32: Das muss ich ganz ehrlich sagen.

00:37:33: also ich bereue nicht einen Tag meines Polysigns weil Ich hatte mich für immer gefragt Boah, da ist so viel in mir, dem ich keinen Raum geben kann.

00:37:44: Meine Queerness nicht auszuleben und Erfahrungen zu machen.

00:37:52: Und ich glaube, wäre ich jetzt noch an den Punkt ... nicht so viel Erfahrung gehabt zu haben?

00:37:58: Dann könnte ich das nicht für immer!

00:38:01: Wann war für dich der Zeitpunkt in dem Feststand, dass du nicht im binären Geschlechtesystem dich wieder findest?

00:38:11: Oh, das ist total spannend.

00:38:12: Ähm ... oh, krasse Frage... Krasse Frage.

00:38:16: Der Zeitpunkt?

00:38:21: In meiner Q&A gibt es keinen genauen Zeitpunkt, es gibt nur Zeichen die irgendwann sehr viel Sinn ergeben.

00:38:28: Das Erste was mir so einfällt ist... Ich habe immer gesagt ich bin ein Mädchen weil man mir sagte ich bin eine Mädchen.

00:38:35: Ich hab immer mir Jungs ausgesucht auf die ich stehe, weil alle haben sich Jungs auf die sie stehen und gar nicht weil ich's wirklich verstanden habe.

00:38:45: Es war eher so'n Warum Jungs fangen die Mädchen, verstehe ich nicht.

00:38:48: Die sind da und man sagt mir, ich bin ein Mädchen also gehe ich dahin?

00:38:52: Ich hab von Anfang an so einen Kindsverständnis gehabt von ... Ich bin ein Mensch!

00:38:58: Und ich stehe hier.

00:39:00: Warum bin ich jetzt ein Mädch, weil ich lange Haare habe?

00:39:04: Das

00:39:04: waren deine Gedanken

00:39:05: als Kind?

00:39:05: Ja, ich wusste nicht so richtig wo ich hingehör.

00:39:08: Also ich hab's nicht verstanden warum das sein muss.

00:39:13: Ich erinnere mich auch noch in der Tanzbranche ist es ganz stark getrennt.

00:39:16: Es gibt immer die Frauenkategorien, die Jungs-Kategorie und der Tanzmann.

00:39:23: Ich habe nie verstanden wieso ... ich hab immer gesagt aber wir tanzen doch alle.

00:39:30: Warum?

00:39:31: Und ich hab mich da nicht zugehörig gefühlt.

00:39:37: Und ich muss sagen so als es richtig schwierig wurde war mit der Pubertät also so anfangen mit Brustwachstum

00:39:47: Bescheidbar.

00:39:49: Ich habe sehr früh menstruiert, sehr früh meine Brüste angefangen haben zu wachsen und ich war so dass ich am liebsten meinen Körper anhalten wollte.

00:40:01: Ich hatte dieses Gefühl von...ich möchte das nicht.

00:40:05: Gar

00:40:05: nicht oder noch nicht?

00:40:07: Nee, ich möchte es gerade nicht!

00:40:09: Und ich verstehe auch nicht warum.

00:40:11: Das war glaube ich mein erhältster Punkt.

00:40:13: Ich hab nicht verstanden warum meine Brüsse nicht so sind wie mein Ohr.

00:40:17: Also das ist ja ein Organ.

00:40:19: Meine Brüste sind ja ein Organ, warum werden sie so anders behandelt als jetzt mein Ohr?

00:40:23: Wieso darf ich hier nicht durch die Gegend laufen und einfach nackig sein?

00:40:27: Ich hab diese ganzen Regelungen überhaupt nicht verstanden!

00:40:30: Ich weiß auch meine Mama hat immer zu mir gesagt, Sassi du kannst hier nicht nackt sein.

00:40:34: Du kannst dich einfach deine Sachen ausziehen.

00:40:36: Und ich wär immer herber... Warum nicht?

00:40:38: Wir haben doch alle Körper, ich versteh das nicht.

00:40:41: Also ich habe diese ganzen gesellschaftlichen Einordnungen mir antrainiert tatsächlich und hab's... Es hört sich, glaub ich, abstrakt an wenn man das selber nicht so empfinden kann.

00:40:54: Aber ich habe eine ganz hohe Geschlechtslosigkeit empfunden.

00:40:58: Mein Leben lang schon!

00:40:59: Und dann kann man natürlich sagen okay aber warum ist es also das Argument was ich denn immer gerne bekommen?

00:41:08: Aber warum hast du denn lange Haare?

00:41:10: Warum magst du denn Die Farbe rosa.

00:41:15: Es ist ja so was von schlecht, wenn man einen Mann fragen würde, warum hast du lange Haare und eine Frau, warum kannst du kurze Haare?

00:41:22: Das ist es gerade.

00:41:24: Aber deswegen ... Ich glaube wie man sich bezüglich des Geschlechts fühlt, ganz schweren Worte zu fassen außer...

00:41:37: Ich finde das richtig gut.

00:41:38: Also ich hab's

00:41:40: verstanden.

00:41:41: Ja.

00:41:42: glaub ich jetzt an deiner Erleutung zum ersten Mal nachvollziehen vielleicht.

00:41:48: Ja, ich hab

00:41:49: z.B.,

00:41:49: man sieht das auch so ganz wichtig.

00:41:52: nicht dass irgendwie Prinzessin das eine heißt und Bauarbeiter das andere so Frau und Mann.

00:41:57: aber so sind wir ja groß geworden und sozialisiert worden.

00:42:01: also auf Kinderfotos Ich war zum Beispiel von Haribo der Gummibär habe ich mich verkleidet.

00:42:06: sie hat mich als Teletubby verkleidet.

00:42:07: Also ich war immer.

00:42:09: Ich habe das nicht verstanden.

00:42:10: Warum gibt es jetzt hier den Prinzen und die Prinzessin?

00:42:14: Und Mutter, Vater, Kind ... ich versteh das nicht!

00:42:18: Und dann war's wirklich manchmal so wie angewurzelt, dass ich nicht wusste wo ich so genau hin soll oder ich wollte den Mann spielen weil dann krieg ich wenigstens den Kuss der Frau ab.

00:42:28: Das war natürlich auch immer meine Idee dahinter.

00:42:30: Wenn ich der Vater bin, dann kriege ich ja den Kurs der Mutter weil dann ist mein Mutter-Vater Kinder und hat sich er lieb!

00:42:35: Und da habe ich halt auch noch gar nicht darüber nachgedacht dass es vielleicht daran liegen könnte das ich halt halt auch Mädchen mag.

00:42:42: Ich dachte das machen alle so.

00:42:45: Hast du mit deinen Eltern übergesprochen als Kind schon?

00:42:49: Nein Also als Kind ist das etwas, was mir überhaupt nicht bewusst war.

00:42:53: Und auch in den Neunzigern Anfang zweitausender da war das Bewusstsein überhaupt nicht da.

00:42:58: Da war das Hüste der Gefühle Lucy von den No Angels, die lesbisch ist und mehr gab es zu dem Thema nicht.

00:43:04: Ich glaube auch so wenn es eine Awareness gäbe wie heute dann hätten meine Eltern auch ein bisschen Dinge gemerkt.

00:43:11: also die früher ... Das war so hey ist das ihr ne?

00:43:15: Bist halt du!

00:43:17: Mach mal oder auch, wenn ich in meiner besten Freundin sehr intim war.

00:43:24: Ach das machen die Mädels, die gehen ja mal zusammen auf Klo und sind so miteinander.

00:43:28: Und dadurch sind die Zeichen so verwischt.

00:43:30: Ich glaube deswegen gibt es gerade bei den Millennials oder auch bei den etwas älteren noch diese in Anführungszeichen Late-Bloomer Coming Out.

00:43:38: Das heißt nicht dass das Leben lang davor nicht so war.

00:43:42: Es war nur weniger bewusst und sehr maskiert Die Begriffe und alles, das gab einfach keine Repräsentation dafür.

00:43:55: Apropos Begrifflichkeiten?

00:43:57: Ja!

00:43:59: Ich hab mich ja im Vorfeld dieser Aufnahme ein bisschen mit dir und deiner Geschichte auseinandergesetzt insofern ich das die Möglichkeit dazu habe... Dann steht da Sascha ist Non-Binary und nutzt sie pro Nomen they them.

00:44:12: Und dann steht da weiter They arbeitet als erfolgreich er blau blau Aktivistin.

00:44:19: Und dann bin ich erst mal so, ich bin ein Vierzig und ich check's gar nicht.

00:44:23: Ich hab mich natürlich schon damit auseinandergesetzt.

00:44:28: Bin jetzt glaube ich nicht völlig ungebildet und uninformiert aber ich habe dann erstmal einen wahnsinnigen Schiss was falsch

00:44:34: zu sagen.

00:44:34: Ja!

00:44:36: Und

00:44:36: du auf der Gegenseite dieses Tisches bist du da nicht tierisch genervt von so Typen wie mir die es immer noch nicht gerafft haben?

00:44:44: Also ermühte dich deine aktivistische Arbeit inwie auch oder...

00:44:49: Ich muss sagen also Ich spreche jetzt nur für mich und nicht für alle.

00:44:53: Ist mir ganz wichtig, ne?

00:44:55: Ich finde das eigentlich genau dieses Gespräch mich nicht ermüdet weil es für mich eine Brücke schlägt Denn ich mache einen gewaltigen Unterschied zwischen Menschen die sagen ach ja was bist du denn oder was denkst ihr da aus?

00:45:14: Ja gar kein Bock drauf dir zuzuhören.

00:45:16: also so eine böswillige Ignoranz Oder ist einfach...

00:45:20: Das passiert ja

00:45:21: Ja, ja klar.

00:45:22: Aber dieses es noch nicht hinbekommen zeigt für mich auch immer den Weg auf.

00:45:30: also ich habe auch nicht von heute auf morgen alles gewusst und ich hab auch nicht vom heute aufmorgen sämtliche strukturen verstanden.

00:45:38: glaubt der punkt ist eher dass es manchmal unkomplizierter ist als man denkt weil das letztendlich darum geht dass wenn ich dir sage hey kannst du einfach meinen namen sagen wenn du einen satz benutzt und du sagst Saskia geht was zu trinken holen und danach holt Saskia die Jacke.

00:45:55: Und du sagst, sie holt die Eierwarte?

00:45:58: Wie war das noch mal?

00:46:00: Das zeigt eigentlich dass du darauf achtest.

00:46:03: es geht gar nicht darum keine Fehler zu machen.

00:46:07: Es geht einfach darum zu sagen hey ich nehme dich ernst für das was du bist.

00:46:11: Es ist ungefähr so als würdest du zu mir kommen.

00:46:13: klar kann man Identität nicht mit sowas vergleichen.

00:46:16: aber wenn Du zu mir kommst und sagst Hey Ich habe ein Thema mit Essen Könntest du vielleicht nicht wenn wir zusammen essen, irgendwie die ganze Zeit über dieses Thema reden.

00:46:25: Dann würde ich sagen hey cool dass du sagst mach mal nicht.

00:46:29: Es geht um das Gefühl dich ernst zu nehmen und nicht zu sagen ach hä ist doch nicht schlimm.

00:46:34: So deswegen bin ich nicht genervt weil es eher um die Neugierter in das Grundinteresse geht.

00:46:42: Kriegst du viel Hass im Netz?

00:46:45: Ja aber ich bin auch irgendwie ein bisschen used to it.

00:46:47: also Ich weiß Je nachdem, wie sicher ich mit mir bin und auch mit einem Thema bin kann mich das mehr oder weniger vor uns sichern.

00:46:59: Aber es ist sehr viel!

00:47:01: Es ist auch je nach Thema verschieden.

00:47:05: Ich kann definitiv sagen also es ist sowohl aus dem Netz als schon private übergeschwappt.

00:47:10: Also das kenne ich auch In Form von Briefen passiert oder auch in Form von Anpöbelung im Zug.

00:47:19: Oder

00:47:20: schon

00:47:21: mit dem Apfel beworfen, das war auch klar.

00:47:23: Dann

00:47:24: kennen die dich und dann sagen sie den so sauer auf dich?

00:47:27: Weil du einfach so bist wie du bist und dann beschwerfen die dich mit einem Apfel?

00:47:31: Ja genau also zum Beispiel zu sagen ... muss ich das jetzt auspiepen, wenn wir mich halt beleidigen mit so'n DoF-Wort und sagen so was denkst du eigentlich wer du bist?

00:47:43: Und weft dann irgendwie.

00:47:44: Aber auch so feige Sinn.

00:47:45: ne also so eine Gruppe bei einer Demo oder sowas.

00:47:49: aber sonst was ich auch richtig cool finde sind die Idee Menschen auf der Straße einfach anzusprechen und ihnen zu sagen, dass sie einen Scheiße finden.

00:48:02: Das kann man auch immer nur in einer Gruppe machen.

00:48:05: Aber ich irgendwie beruhigt mich das... Ich weiß es ist vielleicht komisch aber mich beruhigt das, dass es Tausende, wenn nicht sogar hunderttausende von Meinungen draußen über mich gibt weil das bedeutet, dass jeder eine andere hat und egal wie sehr ich mich anstrengen würde, ich könnte es nie schaffen, dass alle dieselbe haben.

00:48:27: Das heißt für die einen bin Die Politante, für die anderen bin ich die Person mit der Hypochandrie.

00:48:32: Für die anderen ... Bin ich fake?

00:48:35: Ich denke mir so geil, weil wenn es hunderttausend Meinungen sind, dann kann ja sowieso nichts machen.

00:48:41: und irgendwie beruhigt mich das.

00:48:42: Weil dass so eine große Masse ist, dass ich mich gar nicht erst anstrengen muss, weil ich würd's nie erreichen.

00:48:51: Aber es ist schon heftig!

00:48:52: Das soll auch nicht unterschätzen.

00:48:53: Also ich hatte zum Beispiel einen physischen Angriff schon Also einen gewaltvollen Angriff auf einem Konzert und das ist zum Beispiel auch nur aufgrund eines Hassvideos gegen mich entstanden, weil da einfach Informationen geteilt worden sind die nicht stimmen.

00:49:07: Da wurde halt einfach erzählt dass ich der Grund dafür bin also total dass ich der Grund dafür bin, dass Menschen ihre Rechte nicht bekommen würden.

00:49:18: Das haben bestimmte Leute nicht hinterfragt und haben mich physisch angegriffen.

00:49:23: Und das war so ein Punkt, wo ich auf einmal dachte ... Oh!

00:49:29: Das ist ja doch alles real, was da im Internet stattfindet?

00:49:32: Ja.

00:49:32: Es hat wirkliche Konsequenzen auf Menschen.

00:49:37: Sind das Momente in denen du denkst, teile zu viel oder ... Überdenkst du manchmal deine Arbeit?

00:49:43: Nein.

00:49:45: Es ist paradoxerweise auch eine Selbstschutzstrategie.

00:49:47: Wenn ich alles im Internet teile, kann keiner was über mich herausfinden.

00:49:51: Ist total toll!

00:49:53: Ich kann draußen machen, was ich will.

00:49:54: Keiner wird sagen, guck mal, das Kerl macht das und das sage ich, ah, hab ich schon erzählt... es ist irgendwie total befreund für mich weil wenn ich Dinge hätte die ich verstecken würde dann würde ich immer denken, oh nee mach dir jetzt jemand ein Foto davon.

00:50:08: redet irgendwer, sagt achja guck mal und Saskia macht eigentlich das und dass.

00:50:13: Und deswegen finde ich es eigentlich total witzig auch wenn Leute sagen ja Saskia ist da irgendwie total fake oder freut sich in echt bestimmt gar nicht so wie in den Story sondern denke ich mir beobachte mich anscheinend tue ich das wohl schon.

00:50:28: Oder ich hatte das auch mal, da hat eine Person gesagt so wie du hast auf einem CSD geraucht.

00:50:34: Wie kann das denn sein?

00:50:36: Und so und hat dann so ein Screenshot davon hochgeladen wo ich dachte so wow also ja stimmt ist jetzt nicht so.

00:50:43: Also soll ich jetzt einen Video dazu machen.

00:50:45: Wow!

00:50:45: Ich habe aber auf dem CSD eine Zigarette geraucht so ne Aber ich hab irgendwie keine Angst durch dieses viele Teilen dass jemand was rausfinden kann.

00:50:57: Deswegen ist es irgendwie so, ja.

00:50:59: Das heißt du hast keine roten Linien die du nicht teilst?

00:51:05: Natürlich habe ich so gesehen... Ich kann nie mein komplexes Leben teilen!

00:51:08: Also es ist eher glaube ich so.. Ich kann nicht teilen was alles in meinem Leben stattfindet weil das gar nicht geht.

00:51:16: Aber so thematisch ist es für mich auf jeden Fall eine rote Linie im Internet über Menschen zu lästern, aber das sind eher Werte-Rotelinien.

00:51:24: Also welche Werte möchte ich nicht bedienen?

00:51:27: Aber wenn es jetzt um Infos über mich geht, denke ich mir so ... Nee eigentlich nicht!

00:51:36: Weil zum Beispiel auch in der Zeit, wo ich sehr viel Aufklärung so über Kings und so gemacht habe.

00:51:41: Also vielleicht Fetische

00:51:42: usw.,

00:51:43: da kann man natürlich auch sagen, eitert das ach je, aber denke ich mir ja du machst es im versteckten Kämmerlein ist doch gar nicht schlimm.

00:51:50: also warum ist denn das so schlimm?

00:51:52: Wir hätten ja nicht diese hohen Zahlen von Menschen die sich dafür interessieren.

00:51:56: wenn das gar keiner guckt oder gar keiner sich dafür Weiß ich nicht, warum ich mich jetzt dafür schämen sollte oder diese roten Linien.

00:52:08: Wer gibt die vor?

00:52:09: Das müssen ja meine sein.

00:52:10: Ja.

00:52:11: Genau.

00:52:13: Instagram ist eine rote Linie deswegen... Ich darf da nicht alles posten ohne gesperrt zu werden aber sonst

00:52:18: eigentlich nicht.

00:52:19: Was war der letzte Post der für du gebannt wurde?

00:52:22: Geschadowband oder

00:52:23: so?

00:52:24: Ja also das ähm es sind... Also eigentlich war das kein Post so gesehen sondern zwar eher dass ich ein Video aufnehmen wollte zu einem Thema, wie zum Beispiel so sexuelle Aufklärung oder ich sagen wollte welche Dinge für mich gehen und nicht gehen.

00:52:41: Und ich jedes Wort so hätte zensieren oder anders aussprechen müssen, das am Ende kein Mensch mehr verstanden hätte was ich da sage.

00:52:48: also Ich muss ja keine Sex Education machen wenn die Education falsch ist.

00:52:53: Also so Das ist so meine Hürde.

00:52:56: deswegen lass es weil Geht nicht?

00:52:59: Oder mach's einen Podcast.

00:53:01: unglaublich ist.

00:53:05: Mist!

00:53:05: Ihr habt noch so viele Fragen?

00:53:07: Ja,

00:53:08: aber

00:53:10: wir haben jetzt schon weit ausgeholt.

00:53:12: Wir haben ja auch die Zusatzfolge.

00:53:14: Na genau okay.

00:53:16: Dann kommen

00:53:16: wir zum Ende der Hauptfolge und dann werde ich dich in eine Zusatzfolge noch ein bisschen zu anderen Themen befragen wenn das recht ist.

00:53:24: Ja natürlich.

00:53:25: Vielen Dank für das Gespräch Sascha.

00:53:26: Es war voll schön klar Das

00:53:29: habe ich sehr gefreut, dass du hier bist.

00:53:31: Vielen Dank, dass Du meine Einladung gefolgt bist!

00:53:34: Für alle die noch mehr erfahren wollen sollten Dir natürlich folgen bei Instagram.

00:53:40: Sasuke Michalski.

00:53:43: Willst Du für irgendwas noch Werbung machen?

00:53:45: Ja also ich würde dann auf jeden Fall sagen bei Pottimo gibt es einen ganz tollen neuen Podcast weit von Louis und mir der heißt fühlen und verkacken Und da geht es eben genau darum, um Fühlen und Verkacken.

00:53:59: Egal ob's um Beziehungen geht oder das persönliche Leben.

00:54:04: Da analysieren wir ganz viel.

00:54:05: Da kann man ganz viel über solche Dinge lernen.

00:54:08: Das würde ich mir auf jeden Fall angucken!

00:54:09: Es ist was Cooles.

00:54:10: Angucken mit Video.

00:54:12: Hey!

00:54:13: Da hören wir alle mal rein und schauen uns das an natürlich.

00:54:16: Saskia, ich danke dir.

00:54:16: Wir sind am Ende der Hauptfolge.

00:54:18: Wir hören uns gleich in eine Zusatzfolge.

00:54:20: Ich danke dir war toll Dankeschön.

00:54:23: Wünsche euch allen da draußen, eine schöne Woche.

00:54:26: Ich hoffe ich hat die Folge so gut gefallen wie mir.

00:54:29: Anregung und Fragenkritik wie immer hier in der Podimo App oder bei Instagram bei Tegistrift und das Stich Podcast Und hört euch ein Zusatzfolge an für mich sehr freuen.

00:54:40: und sonst hören wir uns nächste Woche und sehen uns.

00:54:43: Ciao ciao!

00:54:57: Coverdesign, Christoph Brandes Exegitiv-Producerin, Maybritt Döge.

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